Hawaii Teil I: Oahu

Flugpreise sind viel zu günstig, wenn man mal all die Kosten bedenkt, also auch die nicht monetären, die bei einem Flug anfallen. Und so erstaunte es mich, dass es 150€ billiger war, von Sydney nach Honolulu, dann nach Maui und dann nach San Francisco zu fliegen – je mit Rad – als von Sydney direkt nach SFO ohne Rad.

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Das war der Grund, warum ich überhaupt nach Hawaii flog. Ich hatte etwas über das Reisen auf den Inseln recherchiert, aber mir kaum ein Foto von irgendwelchen beliebten Punkten angeschaut. Ich möchte nicht vorher wissen, was mich erwartet, da ich sonst erwarte. Allerdings hatte ich durch einen Freund, der vor drei Jahren dort war, eine grobe Vorstellung – er riet von Oahu ab und empfahl dafür Kauai.

(Hawai‘i besteht aus tausenden kleinen Inseln. Die acht Hauptinseln liegen recht nah beieinander und heißen, von West nach Ost: Ni‘ihao, Kaua‘i, O‘ahu, Moloka‘i, Lana‘i, Maui, Kaho‘lawe und Hawai‘i – oder Big Island. Ni‘ihao ist nur für Einheimische zu betreten, O‘ahu ist durch Honolulu als Hauptstadt das wirtschaftliche Zentrum, obwohl die größte von allen Hawai‘i selbst ist. Kaho‘lawe war mal Bombentestgebiet und ist zerstört. Das ist übrigens die jeweils richtige Schreibweise, die ich aber weglasse.)

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Obwohl der Flughafen in den 1930ern gebaut wurde und seit 2006 ernsten Modernisierungsbemühungen unterzogen wird, traf der Flair eher den der 80er Jahre. Glücklicherweise vergeblich, suchte man nach den stereotypischen Einheimischen, die einem eine Blumenkette um den Hals werfen. Ich sah niemanden, der diesen degradierenden Job machen musste. Das Königreich Hawaii haben sich – vereinfacht gesagt – weiße US-Amerikaner im ausgehenden 19. Jahrhundert einverleibt und die lokale Bevölkerung ist darüber bis heute aus ersichtlichen Gründen, nicht gerade glücklich.

Hawaii

Der Gedanke, dass ich nun in der Schlange stand und darauf hoffen musste, nicht von den Einwanderungsbehörden, die sich ja selbst zur Hawaii Party eingeladen hatten, abgewiesen zu werden, erschien mir etwas absurd. Irgendetwas stimmte dann den Beamten mir gegenüber misstrauisch und er eskortierte mich bestimmt aber freundlich in ein Wartezimmer. Es dauerte keine 5 Minuten und ich wurde wieder heraus bestellt und von einem anderen, noch freundlicherem (keine Ironie) Hawaiianer ein wenig mehr zu meinem Vorhaben ausgefragt. Er war dann auch der erste, der mich auf die extrem hohe Kriminalitätsrate auf Oahu hinwies und mir stark davon abriet, irgendwo auf der Insel zu campen. Die ganzen Methjunkies würde große Freude an meinem Rad und meinen Sachen haben und sich diese eventuell auch mit Gewalt nehmen.

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Das stimmte leider mit dem überein, was ich vorher im Netz recherchiert hatte. Etwas entmutigt, schleppte ich dann meinen Fahrradkarton nach draußen und begann das gute Stück wieder zusammenzusetzen. Ein Mann von der Gepäckaufbewahrung sprach mich an und wollte den Karton haben. Auf meine Auskunft, woher ich denn komme verlangte er, seine deutsche Lieblingsstadt zu erraten. Ich weiß nicht warum, aber sagte Heidelberg und er staunte mich daraufhin verdutzt an. Ich war ihm anschließend sympathisch und im Laufe des netten Gespräch wurde er zum zweiten, der mich über die Lage und die Beschaffungskriminalität auf Oahu warnte. Auf den anderen Inseln sei die Lage aber immerhin deutlich entspannter.

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Ich radelte los und auf den 15km vom Flughafen in die Innenstadt zeigte sich das Ausmaß eines gnadenlos dereguliertem Kapitalismus. Auf dem kurzen Stück, sah ich mehr Armut und Obdachlosigkeit, als in den ganzen Monaten zuvor zusammen. Beeinflusst von meiner Netzrecherche und den Ansagen der beiden Flughafenmitarbeiter, entschied ich mich dafür, meinen Plan zu ändern. Ich hatte einen Campingplatz für vier Tage gebucht, auf dem besagtes Problem wohl grassiert. Ich schoss die bereits bezahlten 45Dollar in den Wind und buchte kurzerhand ein Hostel in Honolulu, um mir erst mal ein Bild der Lage zu machen.

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Auch dort warnte man mich davor, die Insel so zu bereisen, wie ich es vorhatte, wenn ich mir am Ende kein neues Rad leisten möchte (und Zähne). Als mir schließlich ein Polizist, den ich am Waikiki Beach darauf ansprach, ebenfalls das gleiche sagte – er war die mittlerweile 6. Person – beschloss ich nach den 2 Nächten im Hostel, den Flieger auf die Insel Kauai zu nehmen. Fähren gibt es leider nicht mehr.

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Ich unternahm natürlich noch eine ausdehnte Spritztour von 70km, um wenigstens etwas von der Insel zu sehen. Ich sah auch den Campingplatz von weitem und war froh mich gegen ihn entschieden zu haben. Die Insel ist, trotz aller menschengemachter Hässlichkeit, verdammt grün und verdammt schön.

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In aller Herrgottsfrühe der 2. Nacht, radelte ich mit einem neuen Fahrradkarton, zusammengefaltet unter dem Arm durch die anrüchige Hauptstadt des 50. Bundesstaates zurück zum Hafen der Flugzeuge, stieg in eins und verließ Oahu. Viel hatte ich von der Insel nicht gesehen und sie hat definitiv mehr Beachtung verdient, als ich für sie übrig hatte. Dennoch, Honolulu ist ein Betonloch und ich war nicht traurig nach Kauai zu kommen, dem Hippie unter den Inseln.

Fahrzit II: Down Under

Der zweite große Abschnitt ging zu Ende. Ich war das zweite Mal in Australien und es gefiel mir mindestens so gut wie beim ersten Mal. Ich habe zwar kaum neue Teile des Landes gesehen, aber alles viel langsamer und intensiver

Mit der Zeit war ich in meiner Fahrradreise angekommen. Wichtig dafür waren zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Zum einen, die Entscheidung ein (pflanzliches) Proteinpulver in meinen Speiseplan einzubauen. Dadurch – und der Unterschied war enorm – entwickelten sich meine Beinmuskeln endlich in dem Ausmaß, in dem es nötig war. Und als allmählich die körperliche Anstrengung geistig leichter wurde, machte das reine Fahren auch viel mehr Spaß.

Zum anderen tat es gut viel Zeit mit alten Freunden zu verbringen – insbesondere der Monat in Melbourne mit Evan und die Wochen unterwegs mit Andre.

Australien ist generell ein Land in dem es sich leicht fahren und campen lässt. Natürlich gibt es entlegenere Landesteile zum Radreisen, als die, in denen ich war. In ausreichenden Abständen gab es öffentliche Toiletten, die oft nicht nur Wasser, sondern auch Strom gaben. campen war quasi überall möglich, die Leute grundsätzlich freundlich gegenüber Fremden, die Straßen in gutem Zustand und Landschaft immer viele Blicke wert.

In Europa hatte ich viel Zeit mit grübeln und dem Überdenken vieler Fragen verbracht. In Australien hatte ich dafür kaum Zeit, aber viel Ablenkung und so konnte vieles von dem Gedachten etwas sacken und in meinem Kopf gab es wieder Platz für Klarheit.

Die Zeit mit Andre und mit Phil bestätigte auch den Wunsch des ersten Fahrzits nach Begleitung. Auch wenn ich jetzt, nach der Reise, sagen kann, dass ich auch sehr gut alleine klarkomme, das Alleinfahren viele Vorteile hat und ich lieber alleine fahre bevor ich es gar nicht tue, so weiß ich nun, dass ich auch beim Radreisen geteilte Freude, doppelte Freude ist.

Es war eine fantastische Zeit. Unzählige Sonnenaufgänge, viele Kilometer, viel Lachen, viele beobachtete Tiere und interpretierte Wolken haben sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt und gaben dem Vagabundieren noch einen extra Sinn. Das etwas ungewöhnliche Erlebnis mit Phil bei Russell Crowe abzuhängen setzt dem ganzen dann noch die Krone auf.

Evan, Nick, Max, Nils, Kim, Kevin, Sophie, John, Karen, Mathew, Andre, Regina, Bob, Heather, Martyna, Phil, Russell, Joslyn, Alex, David, Nick, Josh, Evan, Brett, Cookie, Barry, Heather, Andre, Martyna, Sam, Kyle and Phil und all die ich getroffen habe, ich danke euch von ganzem Herzen.

Rad, Bus, Zug, Flug

Langsam krochen Phil und ich aus dem Kanninchenbau, wenig motiviert viel zu radeln. Keine dreißig Kilometer entfernt, vorbei am wirklich hässlichen, goldenen Hund, fand sich ein guter Platz zum campen. Wir vergammelten für den Rest des Tages und arbeiten unseren Kater ab.

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tag 232-1-frischer Morgen

Byron Bay lag noch ein paar Tage entfernt. Die Straßen dazwischen waren mal ruhig und leicht, mal laut und nervig. Woodburns Sportplatz diente als Campingplatz, die abendliche Portion Pommes brachte den absehbaren nächtlichen Durchfall. Lennox Head war dann ein guter Ort zum ausruhen. Es war ANSAC day – Kriegsgedenktag, eine große Sache im Land – und während Phil Geld im Pub Wetten abschloss, ließ ich mein Magen es mir im Zelt schlecht gehen.

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Byron Bay erreichten wir am folgenden Tag und unsere Wege trennten sich dort. Phil blieb im Ort und vor mir lagen die letzten 180km nach Brisbane – danke Phil für den geteilten Weg.

tag 235-2-Phil and I in Byron Bay

Es regnete, als ich Byron Bay verließ. Bis zum Abend wurde es wieder besser und ich fand einen tollen Schlafplatz auf einer versteckten Wiese. Es ist einfach zu einfach, in Australien zu campen.

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Einen Tag lang fuhr ich unter der warmen Sonne Queenslands die goldenen Küste hinauf und meinen 7000ten Kilometer.

tag 237-1-KM 7000

Die Strecke zwischen BB und Brisbane lässt sich fast komplett über Radwege zurücklegen, nur verlaufen diese, je näher man sich der Hauptstadt Queensland nähert, immer öfter direkt neben dem Highway. Es wurde auch schwieriger einen geeigneten Nachtplatz zu finden und so fuhr ich auf ein abgezäuntes Naturgelände, dessen Tore um sechs Uhr abends schließen und zur gleichen Stunde morgens wieder öffnen. Ich huschte hinein, versteckte mich im Wald, haute mein Zelt in eine mühsam angelegte Kuhle und schlief wie ein Stein.

tag 240-1-Evan in Brisbane

Nach einem letzten, langen, lauten Tag entlang der Hauptverkehrsader der Ostküste, campte ich auf einem Campingplatz, der viel zu teuer war. Ich war gegen 11 Uhr mit Evan verabredet, der mich aus Melbourne besuchen kam. Wir trafen uns am Bahnhof. Wir waren beide quasi zum ersten Mal in Brisbane und durch den Feiertag lag eine entspannte Atmosphäre über der Stadt.

tag 240-2-Brisbane Town Hall

Das Wochenende ging vorbei, Evan musste zurück nach Melbourne und ich war mit einem Kumpel nördlich von Brisbane verabredet, den ich noch aus Wuhan kannte. Evan und ich verabschiedeten uns am frühen Nachmittag – danke fürs Hochkommen. Ich fuhr schon mal Richtung Norden, campte eine Nacht in einem großzügig angelegten Stadtpark, wartete natürlich bis zum Einbruch der Dunkelheit und schlug erst dann mein Zelt auf. Am folgenden Morgen ließ ich mir aber viel Zeit mit dem einpacken und alles erst ausgiebig trocknen. Niemand beschwerte sich.

tag 242-1-Everton Park Sachen trocknen

40km später rollte ich durch eine schicke Nachbarschaft und fand das Haus von Brett, seiner Frau und seinem Sohn auf Anhieb. Brett und ich nahmen das Kanu, fuhren ein wenig auf dem Fluss auf und ab und versuchten unser Glück mit Angeln – hatten aber keines. Zwei Nächte bleib ich, bevor ich wieder los musste. Vielen Dank euch dreien für die Gastfreundschaft und das gute, schwer vermisste, echte chinesische Essen.

tag 242-1-Brett im Kanu

Erst per Bus nach Casino, dann per Zug nach Sydney ging es zurück. Das Rad musste wieder in einen Karton. In einer knappen Woche würde ich Australien verlassen und ein neues Kapitel der Reise aufschlagen.

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Andre und ich unternahmen noch eine letzte Radtour um die Botany Bucht und gingen schnorcheln. Ich investierte auch etwas Zeit in die Recherche für die nächste Station, um nicht mit ganz leerem Kopf dort aufzutauchen.

tag 250-4-schnorcheln

Die Woche ging schnell vorbei. Wir entließen einen genesenen Vogel in die große weite Welt, ich traf mich noch mit zwei anderen Freunden aus Wuhanzeiten und ich schaffte es sogar meinen Flieger zu verpassen. Gegen eine kleine Gebühr verschob sich der Flug auf den nächsten Tag. Vielen lieben Dank nochmal für die nette Gastfreundschaft Heather und Andre.

tag 251-1-bird relase

tag 250 - 5 - Karton transport

Also einen Tag später als geplant, am Samstag, den 13. Mai, stieg ich dann in den Flieger und flog nach Honolulu auf Oahu, Hawaii.

The Blind Rabbit

auf Englisch The Blind Rabbit, ist der Name einer Bar. Es ist keine gewöhnliche Bar, sondern sie befindet sich im Keller eines großen Landhauses. Das Haus steht mit mehreren anderen auf einer riesigen Ranch und gehört dem Schauspieler und Musiker Russell Crowe. Vier Tage waren Phil und ich Gäste bei ihm. Doch alles der Reihe nach.

tag 220-2-Zwei Männer, ein Fluss

Eine Woche vorher stand nicht nur Ostern vor jedermanns Tür, sondern auch Andres Mutter sehr bald vor seiner in Sydney, weshalb er früh mit seinem Fahrrad im Karton den Zug nach Hause nahm. Der Tag hatte am Fluss begonnen, wo Andre, Phil und ich die Nacht gezeltet hatten. Ein Hundebesitzer hatte uns noch zu unserem Schlafplatz gratuliert, der in der Tat zum sich beglückwünschen war, bevor wir drei zum Bahnhof fuhren und Andre verabschiedeten.

Unglaublich, dass der Abschnitt mit Andre schon wieder vorbei war. Vor Phil und mir lagen gute 60km Tagesstrecke mit dem Ziel Crowdy Head National Park. Dort blieben wir zwei Nächte. Kängurus leisteten uns beim Frühstück Gesellschaft.

tag 223-1-Kangurufamilie

Das Osterwochenende kam und unzählige Australier nutzten die letzte Gelegenheit, vor dem Winter noch einmal zu „campen“. Wir machten uns auf dem Weg zum Point Plomer, wo man nicht reservieren konnte und die Chancen auf vier Quadratmeter für mich und mein Zelt noch am größten waren. Phil hatte über Ostern ein Hostelzimmer in Port Macquarie gebucht.

tag 224-1-fahren am Strand

Wir wussten, dass der Weg beschwerlich werden würde, riskierten es aber trotzdem und steckten bald mit unseren Rädern im weichen Sand. Ich hatte obendrein weitere 10kg H2O geladen, da es auch dort kein Trinkwasser gab. Es war nahezu unmöglich das Rad zu bewegen. Meter für Meter pflügten wir uns vorwärts. Als der Busch die Möglichkeit bot, schoben wir die Räder zum Strand. Dort, wo die Wellen regelmäßig über den Sand rollten, ließ es sich besser fahren.

tag 225-1-Sonnenaufgang an Point Plomer

Camping ist für mich bereichernd, weil man bewusst auf möglichst viel Komfort verzichtet, sich wenigstens etwas der Natur aussetzt und diese in Ruhe beobachtet und genießt. Was ich jedoch am Point Plomer vorfand, war das krasse Gegenteil. Die Leute waren mit ihren riesigen Geländewagen gekommen, vollgepackt mit Zelten, Pavillons, BBQ Grills, Stromgeneratoren, Kingsize Luftmatratzen, Kissen, Stereoanlage und jedem anderen Komfort, den sie von zuhause gewöhnt sind und haben sich besoffen. Ostern konnte nicht schnell genug vorbeigehen.

tag 227-1-Jorg auf Bank an Point Plomer

Drei Nächte später, ich hatte die meiste Zeit allein verbracht, Yoga gemacht und auf einer Bank am Meer gesessen und gelesen, verließ ich den Ort endlich wieder in Richtung Norden. Die vielen Jeeps wirbelten jede Menge Dreck auf und staubten mich komplett ein, doch zum Glück befand sich am Ende der Erdpiste ein Sportplatz mit Duschen, unter die ich kurzerhand sprang, um anschließend frisch geputzt in Richtung Kempsy zu radeln, wo ich Phil wiedertraf.

tag 229-1-Aborignial Art bei Nambucca Head

Wir blieben eine Nacht am Flussufer und fuhren am nächsten Tag gute 70km bis Macksville. Wir pausierten an der Promenade und wollten uns schon nach einem Schlafplatz umsehen, als ich im Scherz meinte: Guck mal Phil, da läuft Russell Crowe. Ich hatte keine Ahnung, dass er tatsächlich in der Gegend wohnt. Wir kamen ins Gespräch; er stellte sich vor und – um es kurz zu machen – lud uns auf seine Ranch ein, versprach uns eine Mahlzeit und ein Dach für eine Nacht, gab uns seine Adresse und verschwand.

Wir hatten keine Uhrzeit oder sonst etwas ausgemacht und wussten nicht so recht, ob wir der Einladung folgen sollten oder ob diese nicht wirklich ernst gemeint war. Wir entschlossen uns für ersteres und fuhren an dem Abend noch weiter, um es am nächsten Tag auch bis zu seiner Ranch zu schaffen.

Russell Crowe ist der größte, private Landbesitzer in New South Wales und hat in Nana Glen eine riesige Ranch, auf der er Pferde, aber vor allem Rinder züchtet. Ich hatte eine Vorahnung was das Hauptgericht sein würde und überlegte schon mal, ob ich nach vier Jahren vegetarischem Dasein, eine Ausnahme machen sollte.

tag 229-1-waiting for the man

Von Coffs Harbour aus, bogen wir landeinwärts und ackerten uns über die vielen kleinen Berge, die uns auf dem Weg nach Nana Glen im Weg standen. Wir googelten schnell, ob der Gladiator lieber roten oder weißen Wein trinkt – wir wollten nicht mit leeren Händen auftauchen – kauften roten, erreichten den kleinen Ort, aber fanden die Hausnummer nicht, die er uns genannt hatte. Wir fragten den Postmann, der uns die Info natürlich nicht verraten durfte, dafür aber beim Anwesen anrief. Russells Mom kam uns dann abholen und wir folgten ihr auf unseren Rädern zur Ranch.

John Nash empfing uns mit seinem jüngeren Sohn und seiner Nichte, zeigte uns das Haus, in dem wir übernachten konnten und bestellte uns zum Abendessen ins Haupthaus. Wir waren pünktlich dort, quatschten ein wenig mit dem Vater, bis Hando uns in den Weinkeller führte und wir zwei Flaschen leerten.

Zu Abend wurde an einer kleinen Tafel gespeist. Die Ranch verfügt über mehrere Häuser, Ställe und sogar eine kleine Kapelle, die für seine Hochzeit gebaut wurde. Die Einrichtung der Häuser ist rustikal-gemütlich und wir saßen zu Siebt am langen Holztisch – Maximus natürlich am Kopfende.

Ich hatte seit 4 Jahren kein Fleisch mehr gegessen und aß nun, langsam und mit Bedacht Stück für Stück meines Steaks, das der Hausherr persönlich gegrillt hatte. Es schmeckte sehr gut, aber nicht so gut, als dass nicht Vegetarier bleiben würde. Ich glaube ich war in mein Gericht ziemlich vertieft, denn irgendwann merkte ich, dass Russell mich mit einem Grinsen beobachte. Die ganze Situation hatte etwas surreales.

Anschließend gab er uns eine kleine Tour durchs Haus, zeigte uns seinen Musikraum, das Kino und die Bar, The Blind Rabbit. Dort blieben wir bis spät in die Nacht, erzählten und tranken. Russell bot uns an, eine weitere Nacht zu bleiben, wenn wir ein wenig auf der Farm aushelfen würden.

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Früh um 7 Uhr, mit einem Kater, wie er nicht zu ertragen war, fanden wir uns vor Lagerschuppen ein, den es leerzuräumen galt. Zwei Mitarbeiter kümmerten sich um das ganze Holz, während Phil und ich bis zum Nachmittag eine Tonne Steine herausschleppten. Beim Abendessen waren wir neun Leute; zwei Jungs, die für ein Musikvideo Material sammeln sollten, waren weitere Gäste.

Bevor Phil und ich am nächsten Morgen abreisen würden, waren wir alle für eine Partie Touch-Football auf dem rancheigenen Sportplatz verabredet. Nach dem Spiel meinte der Hausherr, dass für den Abend der eigentliche Videodreh angesetzt sei. Es würden weitere Gäste kommen, eine Gruppe Mädels würde mit brennenden Reifen eine Choreographie abtanzen und es würde Pizza geben. Wir wären herzlich eingeladen noch eine Nacht zu bleiben, falls wir nichts wichtigeres vorhätten – äh nein, haben wir nicht.

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Es wurde das Video zu „Everything I touch“ gedreht und Phil und ich hatten die ehrenvolle Aufgabe, den Nebel in die gewünschte Richtung zu lenken. Der Abend endete natürlich im Blind Rabbit. Wenig fit entstand dann am nächsten Morgen dieses Foto.

tag 231-1-Russell und ich

Russell gab uns noch seine Nummer für den Fall, dass wir unterwegs Probleme bekämen und dann traten Phil und ich aus dem Kaninchenbau/Wunderland, zurück in die reale Welt und radelten ziemlich verkatert Richtung Norden.

Wir hatten die ganze Zeit nicht das Gefühl mit einem großen Star abzuhängen. Das einzige was daran erinnerte war der Oscar, den er uns gezeigt hatte und die anfängliche Bitte, keine Fotos zu machen, weshalb dieser Beitrag auch nicht so viele enthält. Egal, vielen vielen Dank, Mr. Crowe.

Viele Wasser und ein Feuer

Wir hatten die Harbour Bridge hinter uns gelassen und fuhren Richtung Norden nach Manly. Doch so einfach und schnell, wie wir gedacht hatten, konnten wir die zweite und letzte gemeinsame Etappe nicht beginnen. Wir kamen zufällig an einem Fahrradladen vorbei und es ergab sich ein schneller Check. Drei Herren beäugten gründlich unsere Räder und gaben grünes Licht für meines, bemängelten aber Andres hintere Felge, die bereits mehrere Risse aufwies. Das Leichtbaumodell mit deutlich weniger als 32 Speichen war nicht für Bikepacking ausgelegt. Im Nachhinein, wenn man bedenkt, welche Straßen wir bei welchen Geschwindigkeiten abgerissen hatten, war es pures Glück, dass das Ding nicht schon längst zerschellt ist.

tag 215 - 1 - Andre auf Bank-2016x1512

Wir hatten noch mehr Glück im Unglück, denn auch wenn dieser Laden keinen Ersatz vorrätig hatte, so hatte ihn der nächste und die Felge war schnell gewechselt. Der Tag endete, nach vielen, teils regnerischen Kilometern und einer kleinen Fährfahrt, in Dutty Beach auf einem leeren Campingplatz. Es war einer dieser staatlichen Plätze, wo man an einem Automaten bezahlen muss. Dieser war jedoch außer Betrieb und unsere Nacht somit kostenlos.

tag 215-1-turkey terror

Ich machte es zur Gewohnheit, vor Sonnenaufgang aus dem Zelt zu klettern, zum Strand zu watscheln und das allmorgendliche Es-werde-Licht-Schauspiel zu bewundern. Als ich wiederkam, hatte eine kleine Horde Truthähne, eine Nudeltüte, aufgepickt und sich bereits fleißig bedient. Zum Mittagessen gab es Pasta Nada.

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Zwei Tage brauchten wir bis Newcastle. Der Weg dorthin war erstaunlich beschwerlich, was uns veranlasste immer wieder längere Pausen einzulegen und eine weitere Nacht auf einem Campingplatz zu bleiben – diesmal mit Dusche und gegen Bezahlung.

tag 216-1-uberall hin mitnehmentag 216-2-Tunnelvision

Eine ehemalige Bahnstrecke diente nun als Radweg und führte fast bis zur Innenstadt. Diese alten Bahntrassen sind fantastisch, denn sie führen durch schöne Natur bei maximal 2% Steigung.

tag 216-3-Autowrack nahe Strand

Von Newcastle nahmen wir die Fähre nach Stockton. Wir waren auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Ein „National Park“ entpuppte sich als ungeeignet. Die Küste bestand aus Dünen, Autowracks und Reifenspuren und machte keinen einladenden Eindruck. Nach langem Hin und Her, entschieden wir uns schließlich für eine sichtgeschützte Ecke in den Büschen im Park nahe der Fähre. Wir bauten im Dunkel auf, waren der Mücken Abendbrot und verschwanden schnell in unseren Zelten.

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Andre musste sich langsam um seine Heimreise kümmern. Nach etwas suchmaschinieren und telefonieren, mussten wir zum Bahnhof in Newcastle. Das hieß, Radweg zurück zur Fähre, Fähre in die Stadt, zum Bahnhof, Ticket kaufen und all das wieder zurück und dann endlich weiter.

tag 217-1-Hangemattensattel

Immerhin trafen wir auf der Fähre einen Daniel mit einem recht interessanten Fahrrad; es hatte keinen normalen, sondern einen Hängematten-Sattel. Das Radeln darauf war auch echt bequem; eine Reise mit Gepäck würde ich darauf allerdings nicht wagen.

tag 216-1-Anna Bay

Die offene, windige Straße nach Anna Bay war eine kleine Plackerei. Eine teure Pizza unterwegs stärkte Körper und Geist und schwächte die Finanzen. Wir steuerten die unentgeltliche Übernachtungsmöglichkeit Samurai Point an. Doch diese war ohne einen Geländewagen nicht zu erreichen. Wir hätten die schweren Räder mindestens drei Kilometer durch weichesten Dünensand pflügen müssen – danke nein.tag 217-2-Samurai Beach

Uns blieb in dieser touristischen Gegend nichts anderes übrig als auf den nächsten Campingplatz auszuweichen. Ein Bad in den wilden Wellen wirkte Wunder nach einem anstrengenden Tag. Ein schreiendes Kind vertonte schließlich unser Abendessen.

tag 218-1-Sonnenaufgang nahe AnnaBay

Und auch das Frühstück. Doch nach erneut bestaunter Morgenröte und einer Dusche, war es weniger nervig (aber immer noch). Ausgeruht und guter Dinge war der Weg bis Nelson Bay dann ein Klacks. Mit Hilfe des Kapitäns hievten wir unsere Räder an Deck eines klassischen Kahns, der uns nach Tea Garden brachte. Bei einem kurzen Plausch mit dem Bootpilot erfuhren wir, dass er einst für Porsche Rennen fuhr und das er Stunden zuvor einen anderen Tourenradler, der nach Cairns unterwegs ist, transportiert hatte.

tag 218-2-Fähre nach Tea Gardentag 218-3-über Schottertag 218-2-Wildlife bei Lemarie

Ein schönes und schweres Stück National Park lag vor uns. Irgendwann wurde die geteerte Straße staubig und dann grob steinig. Es war eine wahrlich wackelige Angelegenheit bei der unserer Räder über die Steine sprangen wie Wildpferde. Am Ende wurden wir dafür mit einem tollem Nachtlager am Lake Lemaire belohnt.

tag 219 - 1 - Frisbeespiel im Seetag 219 - 2 - Frisbeespiel im See 2

Wir begannen den Tag mit einer ausgedehnten Partie Frisbee im seichten See und traten dann wieder in die Pedale Richtung Forster. Ein Tourenrad stand vor einem chinesischem Restaurant. Es musste der sein, von dem uns der Kapitän erzählt hatte – und war es auch. Phil, der in die gleiche Richtung reiste, gesellte sich kurzerhand zu uns und ein paar Kilometer später, standen drei Zelte südlich von Forster auf einem Stück Rasen am Pazifik.

tag 219-2-drei Zeltetag 219-3-Phil und Andre im MeerTourenradler scheinen ähnliche Rhythmen zu haben. Wir drei waren früh wach – ich mal wieder zum Sonnenaufgang – und hatten alles wieder auf die Räder gepackt, bevor die Ranger kamen und uns abkassieren konnten.

tag 219-1-zahmer Raubvogel

An diesem Tag erreichten wir Taree. Unterwegs hatten wir Phil kurz verloren, eingekauft und ihn dann wiedergefunden. Andre würde am folgenden Morgen den Zug nach Sydney nehmen. Für den letzten gemeinsamen Abend fanden wir den idealen Zeltplatz – unweit des Bahnhofs, direkt am Flussufer im Grünen.tag 220-1-Fluss in Taree

Das Leben als Vagabund ist voller Geschenke. Andre und ich wollten schon längst ein Lagerfeuer gemacht haben, aber irgendwie hatte es sich nie ergeben und nun stand hier, direkt am Flussufer im Sand ein Tipi aus Feuerholz. Wir ergänzten Kleinholz und Anzünder und saßen bald darauf gemütlich am Feuer, schauten auf den Manning River und erzählten bis es Zeit war schlafen zu gehen.20170410_182418-2016x1512

Erst die Pause, dann das Vergnügen

Wir bauten unsere mobilen Häuser auf Sand. Mücken drängten uns zur Eile und so lagen wir, umgeben von schiefen Sträuchern, wind- und sichtgeschützt auf einer Düne in unseren Zelten und lauschten den Wellen.

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Zum Glück kamen die ersten Tropfen am nächsten Morgen später als angekündigt und die Zelte somit noch trocken und sauber in ihre Packsäcke. Als der Regen zu heftig wurde, legten wir eine Zwangspause unter einer Fußgängerbrücke ein. Wir waren ziemlich nass, bei guter Laune und beneideten die Autofahrer, die zweispurig im Berufsverkehr geschützt vor Wind und Wetter an uns vorbeirollten, überhaupt nicht. Auch dass ich mein Frühstück umstieß und nur zur Hälfte gestärkt war, als wir weiterfuhren, war (noch) kein Problem.

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Industriegebiet und Schnellstraße wurden bald wieder zu Küste und Fahrradweg. Es regnete unaufhörlich und die Pausen waren eher ungemütlich. Außerdem erschwerte der Wind das Kochen von wärmenden Getränken.

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Es war ursprünglich gedacht, erst am nächsten Tag in Sydney anzukommen, denn zwischen uns und der Stadt lagen noch gut 60 Kilometer und ein mieser, steiler Berg. Aber – um es kurz zu machen – wir wichen für 18km der Strecke und 80% der Steigung auf einen Zug aus und preschten dann das restliche Stück bis Sydney durch. Wir hatten die Stadtgrenze schon passiert und es waren noch weniger als 10 Kilometer zu Andres Wohnung, als ich schlapp machte und eine kurze Pause bzw. Nahrung brauchte.

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Der Rest ging dann schnell und wir waren beide froh es doch am selben Tag geschafft zu haben.

Das Schöne an so einer Radreise ist, dass man sich mehr Strapazen und Unannehmlichkeiten als üblich aussetzt und dass dadurch die kleinen Dinge viel mehr an Bedeutung gewinnen. Die warme Dusche und die frischen, trockenen Klamotten waren ganz groß.

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Uns standen ein paar kurze Tage Rast in Sydney bevor. Vielen, vielen Dank Heather, Martyna, Sam und Andre für eure super Gastfreundschaft. Außer meiner Wenigkeit gab es noch einen weiteren, bunten Gast, der immer dann ein herrliches Gekreische veranstaltete, wenn sich jemand seinem Käfig näherte oder einfach nur die Sonne aufging. Der Allfarblori wurde von Heather gesund gepflegt und etwas später wieder in die Freiheit entlassen.

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Ich kümmerte mich mehr um organisatorische Dinge und mein Rad, als um die Stadt. Am Ende meiner Australien-Tour würde ich sowieso nochmal eine Woche hier verbringen.

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Nach wenigen Tagen besserte sich das Wetter. Ich glaube Andre war froh zuhause zu sein und sein Antrieb wieder auf die Straße zu kommen kleiner als meiner. Dennoch, an einem sonnigen Morgen schwangen wir uns für unsere letzte gemeinsame Etappe wieder auf die Sättel. Eine gute Woche würden wir dazu nutzen in Richtung Norden möglichst viel Natur und Nationalparks zu durchfahren, bis Andre den Zug zurück nach Sydney nehmen würde.

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Zweier Sturzflug

Der nächste Morgen ließ bis zum Sonnenaufgang auf sich warten. Ohne Frühstück ging es los. Ich fuhr vor und gerade schnell bergab, als ich das weiße Etwas sah, das am Straßenrand zuckte. Ich begriff langsam, bremste scharf und lief schnell zurück. Ein verletzter Kakadu mit gebrochenem Flügel lag am Straßenrand. Andre – stolzes Mitglied bei Wires, einem Wildtier-Rettungsdienst – rief dort an. Es hatte mittlerweile – mal wieder – angefangen zu regnen und so schnell würde wohl kein „Rettungswagen“ an diesem Samstagmorgen kommen.

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Wir hielten die wenigen Autos an, die vorbeikamen. Ein rostiger Pick-up, auf dessen offener Ladefläche sieben Hunde freudig und gekonnt balancierten, stoppte und das zottelige, ältere Ehepaar erbarmte sich den verletzten Vogel zum nächsten Tierarzt zu bringen. Oder, so wie die beiden aussahen, vielleicht auch nur bis zur nächsten Pfanne.

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Ohne Frühstück loszufahren ist generell keine gute Idee und auf einer Radtour mal gar nicht. Ich hatte zudem nicht gut geschlafen, die Strecke war bergig und ich hatte, trotz morgendlicher guten Tat, schlechte Laune. Die besserte sich erst mit Wetterwechsel und Nahrungsaufnahme.

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Wir machten gut Strecke, kamen durch Binalong und erreichten irgendwann Yass und blieben. Unser Zeltnachbar war Don aus Wales, ein älterer Herr, der ebenfalls per Rad das Land erkundete. Das mache ich in seinem Alter hoffentlich auch noch.

Eigentlich stand eine Route fest, doch wir scheuten zu viele (unnötige) Steigungen und planten Teilstücke gelegentlich um, wägten dabei Höhenprofil gegen Distanz und Verkehr ab, weswegen wir Yass erst gegen Mittag verließen. Bis Robertson würden wir uns umständlich auf knapp 1000 Höhenmeter hocharbeiten, um anschließend innerhalb von 15km auf Meereshöhe hinunterzustürzen und dann den Rest an der Küste nordwärts Richtung Sydney fahren.

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Die Sonne brannte vom Zenit auf uns nieder, zwang uns bald zu einer Pause, in der wir uns einen Block Tofu zwischen die Zähne schoben, und begleitete uns dann durch australischen Busch – naja fast. Links und rechts standen ein paar Büsche und Bäume am Straßenrand, entzogen dem Boden das letzte Wasser und spendeten faulen Schafen Schatten.

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Sie waren anscheinend mehr an Auto- als an Fahrradfahrer gewöhnt, denn sie liefen scharenweise davon, als wir anrollten. Ich fühlte mich zum Ziegenhirten auf der Farm in Portugal zurückversetzt und trieb die aufgescheuchten Wollknäuel mit kraftvollem ha-ha-ha weiter über die Weide. Bewegung tut gut.

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Nur Andres Knie mochte die Bewegung heute nicht. Vor der letzten Etappe des Tages kamen wir durch Gunning. Es war Markt gewesen und der letzte Verkäufer gab uns Brot und Konfitüre zum halben Preis. Wir unterhielten uns eine Weile über Europas politische Situation, über die der sympathische gebürtige Grieche gut Bescheid wusste, bekamen noch Bananen geschenkt und gingen dann gut gestärkt das letzte Stück an.

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Mit den Chemical Brothers im Ohr tanzte ich förmlich auf dem Rad die seichten Berge rauf und runter, doch Andre hatte leider nicht die Energie, denn sein Knie machte ihm zu schaffen. Eine Schafweide bot uns dann unser nächtliches Lager. Es handelte sich klar um Privatgelände, aber das Auto der Anwohner, das in der Dämmerung über den Schotterweg an uns vorbeifuhr stoppte nicht einmal.

tag-205-8-im Zelt

Es war 23 Uhr, als meine Blase Entleerung verlangte. Ich lief im Dunkel barfuß durch hohes Gras und über die Schotterstraße. Nach erfolgreicher Miktion, lief ich im Licht meiner Lampe zurück und erschrak, als neben mir auf der Straße plötzlich ein dickes Exemplar einer Sydney Trichternetzspinne im Lampenschein auftauchte. Gut, dass ich auf dem Hinweg nicht auf sie getreten bin, denn die sind schwer giftig. Und schade, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Doch ich wollte mein Glück nicht weiter provozieren, lief vorsichtig zurück durchs hohe Gras und verließ mein Zelt erst am Morgen wieder.

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Wir bedankten uns bei den Maltons, auf dessen Grund und Boden wir geschlafen hatten, in Form eines kurzen Briefes. Nach zwei Tagen barfuß fahren und der nächtlichen Begegnung, trug ich heute zur Abwechslung mal wieder Schuhe. Das war auch angebracht, denn den Großteil des Tages jagten wir auf dem Seitenstreifen des Hume Highway entlang. Steigungen von maximal 4% waren eine willkommene Erleichterung und wir machten ordentlich Strecke.

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Australien ist eigentlich ziemlich sauber, doch mit den Dingen, die so am Autobahnrand lagen hätte man eine Müllhalde, einen Kleiderschrank und eine Werkzeugkiste füllen können. Nach über 70km und (bis dahin) rekordhaften 61km/h erreichten wir einen Sportplatz in Marulan und machten ihn zum Campingplatz.

tag-206-4-Marulan sports field

An nächsten Morgen war Andre nicht fit. Unausgeschlafen brauchte er heute extra lang bis er seine Sachen am Rad verstaut hatte und, dass ich mich darüber amüsierte, amüsierte ihn nicht. Wir probierten eine Nebenstrecke zum Highway, dem Old Hume Highway, der aber nach schöner Fahrt in einer Sackgasse endete und wir uns wieder mit der aktuellen Version der Schnellstraße begnügen mussten.

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Lange blieben wir nicht auf ihr, fuhren bei Wingello ab und stoppten in dem General Store des kleinen Ortes. In dem Laden gab es so ziemlich jede Süßigkeit zu kaufen, von der man als Kind nur träumen kann und genauso fühlte ich mich, als ich für 50 Pfennig hiervon und für 80 Pfennig davon und davon und davon und davon orderte.

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tag 207-3-wie ein kleines Kind im Susswarenladen

Wir kamen dem Abgrund – also Robertson – immer näher. Am letzten Tag hier oben war das Wetter Topographie-typisch kühl und nass. Wir campten abermals an einem Sportplatz, diesmal unter dem Dach des angrenzenden Grillplatzes. Wir hatten bereits gegessen und unsere Innenzelte aufgeschlagen, als ein Auto hielt und ein unsympathischer (und betrunkener?) Mann ausstieg und uns musterte. Nach einem kurzen Gespräch stufte Mick uns als harmlos ein und ließ uns bleiben.

tag-208-1-geile Abfahrt

Wir freuten uns auf die Abfahrt – den Drop – und auf den Tag am Strand. Schnell kamen wir kamen durch Robertson, vorbei an einer riesigen Kartoffel. Australien ist voll von diesen „Wahrzeichen“. Dann kam der Drop. Steil schlängelte sich die Straße bergab und entlohnte für die Mühen seit Wagga. Der Asphalt war ziemlich nass und so stürzten wir zwei, viel vorsichtiger als uns lieb war, aber mit reichlich Spaß in den Backen, dem Pazifik entgegen.

tag-208-2-endlich Meer

Danach dauerte es nicht mehr lange bis wir das Meer erreichten. Hier unten schien die Sonne, es war warm und das Salzwasser wartete.

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